Anzeige

Philipp Lehner: Kritik? Problem beschreiben, nicht bewerten

Philipp Lehner, CEO von ALPLA, zeigt in seinem neuen zweiteiligen Essay, wie echte Kritikfähigkeit wirklich funktioniert.Philipp Lehner, CEO von ALPLA © ALPLA

Sind wir heute weniger kritikfähig als früher?

Es macht den Eindruck. Doch der Mensch konnte noch nie gut mit Kritik umgehen. Was sich verändert hat, ist nicht er selbst, sondern die Öffentlichkeit: Durch die Medien verbreiten sich Meinungen mittlerweile viel schneller, Widerspruch fällt unmittelbarer auf und Debatten werden lauter wahrgenommen.

Im Grunde geht es jedoch um Veränderungen, die Probleme lösen und die wiederum zuerst klar benannt werden müssen. Dabei steht uns eines im Weg: die Wertung.

Die Wertung herausfiltern

Wenn wir ein Problem benennen, geschieht das nicht ohne Wertung. In einem Automatismus werten wir Dinge als Überlebensfunktion. Um den Sachverhalt aber wirklich erfassen zu können, muss ich als Zuhörer Emotionen, Tonfall und jede Wertung vom Gesagten trennen. Ansonsten wird die Information vorgefiltert und ich erreiche nicht mein effektives Optimum.

Es ist allerdings nicht einfach, die eigenen Empfindungen beiseitezulassen. Ich wende dafür ein inneres „Sieb“ an, das aus drei Schritten besteht:

  1. Wertung herausnehmen – faktisch: Was ist wirklich passiert? Was wurde wirklich gesagt? Muss ich noch einmal nachfragen, um das Problem zu verstehen?
  2. Hat das Gesagte mit mir zu tun? Hat es Relevanz für mich?
  3. Will ich oder muss ich etwas ändern?

Dieses Sieb ist ein starkes Werkzeug. Es hilft mir, Missverständnisse zu vermeiden, meine eigenen Filter zu minimieren und schnell Lösungen zu finden. Die wichtigste Funktion ist jedoch, dass ich einordnen kann, ob ich auf die Meinungen anderer reagieren möchte oder nicht. Es hilft mir, diese Freiheit zu wahren. Bei 30 bis 50 Entscheidungsmomenten am Tag, bei denen verschiedenste Interessen im Spiel sind, ist das wichtig.

Es braucht Ruhe und kontinuierliche Übung, die Essenz neutral zu betrachten. Es kann auch hilfreich sein, das Gesagte zunächst aufzuschreiben, ohne sofort zu reagieren. Mit etwas Abstand lassen sich die Inhalte sachlicher einordnen und der Kern klarer erfassen.

Eine weitere Möglichkeit ist die Nutzung von MasterPlanning. Das System für Zeitmanagement, das wir bei ALPLA einsetzen und derzeit weltweit im Unternehmen einführen, unterstützt dabei, Aufgaben sachlich einzuordnen. Der handschriftliche Eintrag in den analogen MasterPlanner-Kalender ist ein erster Schritt, um einen Sachverhalt zu konkretisieren und sich auf die wesentlichen Details zu konzentrieren.

Fokus auf das Wesentliche richten

Warum ist es so wichtig, die Wertung aus Äußerungen herauszunehmen? Wertung ist Emotion. Sobald wir emotional reagieren, verschiebt sich unser Blick – weg von der Sache, hin zu Selbstschutz oder sozialer Einordnung. Je stärker die Emotion, desto schwerer fällt es uns, klar zu denken. Die Wissenschaft nennt dieses Phänomen „Amygdala-Hijack“.

Unser Gehirn kann bewertete Aussagen nicht sachlich verarbeiten. Es sieht dann leicht einen Angriff. Daher reagieren wir mit Rechtfertigung, Verteidigung oder innerem Widerstand. Emotional überladene Worte verzerren unsere Wahrnehmung und erschweren die Reflexion. Das gilt bei Lob wie bei Kritik.

Genau hier setzt das Sieb an: Es trennt die Fakten von den Bewertungen. Nur so bleiben überprüfbare Daten übrig – das ist wichtig: überprüfbare Daten. Denn sie sind die Grundlage für fundierte Entscheidungen und echte Lösungen.

Das Problem deutlich machen

Ein zentrales ALPLA-Prinzip ist „effektiv kommunizieren“. Es bedeutet, Sachverhalte so zu beschreiben, dass alle verstehen, worum es wirklich geht.

Es reicht eine kurze, klare Darstellung. Entscheidend ist, sichtbar zu machen:

  • Was ist das Problem?
  • Wo tritt es auf?
  • Welche Bereiche sind betroffen?
  • Welche Auswirkungen hat es?

Das innere Sieb hilft dabei, Bewertungen auszublenden und den Fokus auf die Fakten zu richten. So lassen sich Probleme sachlich beschreiben, Lösungen finden und Entscheidungen treffen – ganz im Sinne unseres Prinzips „effektiv kommunizieren“.

Ich wende das in jedem meiner Meetings an: Experten oder emotional engagierte Teammitglieder kommen mit einer Problemstellung. Nach 5 bis 10 Minuten spiele ich zurück, was ich von ihnen gehört habe. In 2 bis 3 kurzen Sätzen wird das Problem beschrieben. Und dann können wir Lösungsoptionen entwickeln – immer mindestens drei.

Hinschauen, akzeptieren und verändern

Am Ende geht es immer um die zentralen Fragen: Wie kriegen wir die Kuh vom Eis? Und wie kommen wir weiter?

Das innere Sieb ist das Werkzeug, um uns genau darauf zu fokussieren. Es hilft uns, Bewertungen und Emotionen herauszufiltern, sodass wir das Problem neutral erfassen und wirklich verstehen, worum es geht.

Wertfrei hinschauen schafft die Grundlage, um das Problem als reellen Sachverhalt zu akzeptieren und gezielt daran zu arbeiten. Nur so verändert sich etwas. Kritikfähigkeit wird dann zu dem, was sie sein soll: Eine neutrale Beschreibung des Problems, die eine sinnvolle Lösung ermöglicht. Genau das bringt uns weiter – als Unternehmen und als Menschen.

Philipp Lehner ist CEO von ALPLA. Tauschen Sie sich gerne direkt mit ihm aus und vernetzen Sie sich über das LinkedIn-Profil von Philipp Lehner.

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit yes or no Media GmbH

Angaben des Partners anzeigen
yes or no Media GmbH Vor dem Lauch 4 D-70567 Stuttgart